Dezember 2008: Blaskapelle Šohajka


Blaskapelle Šohajka - "musikalische Rose" aus Podluží

Eine gemütliche halbe Stunde mit dem Fahrrad von Hodonín unterwegs gelangt man in den Ort Dolní Bojanovice im nördlichsten Teil  von Podluží. Dieses Gebiet gehört in Mähren zu einem der reichsten Gegenden hinsichtlich lebender Folklore und gepflegter Kulturtradition. In Dolní Bojanovice ist nicht nur Jaromír Raichman mit seinem bekannten Tonstudio zu Hause. In dem relativ kleinen Ort mit seinen etwa zwei Tausend zählenden Einwohnern gibt es gleich vier ambitionierte Blasmusikformationen.

Die Blasmusiktradition in Dolní Bojanovice reicht viele Jahrzehnte zurück. Ein vermutlich bedeutender, wenn auch nicht leicht nachvollziehbarer Einfluss dürfte unter anderem mit der Tatsache zusammenhängen, dass dieser relativ unscheinbare Ort im 19. Jahrhundert eine enge Beziehung zum Wiener Hof unterhalten hatte. Von diesem Ort wurde Wien mit dem Wein und Fisch aus dieser Gegend beliefert. Zu dieser Zeit gab es in Wien - für uns heute kaum vorstellbar - in einigen Wiener Bezirken mehrere Blaskapellen vom unglaublichen Umfang. Die Inspiration und Motivation wäre daher nicht weit weg.

Ein blasmusikalisch trächtiges Umfeld sorgt stets für ihre "Kinder". Die Blaskapelle Šohajka wurde im Jahre 1982 von Vojtěch Ducháček gegründet. Man kann sich kaum vorstellen, welchen massiven Ehrgeiz die frisch entstandene Partie gepackt haben muss, wenn man bedenkt, dass diese Formation innerhalb einiger Jahre den Sieg beim Wettbewerb um das "VIII. Goldene Flügelhorn 1987" davon getragen hatte. Hier ist ein wichtiges Detail anzubringen. Zu jener Zeit gab es völlig anderes Auswahlverfahren für Blasformationen, die zum Wettbewerb zugelassen wurden. Einer Nomination zum Goldenen Flügelhorn, im Gegensatz zur heutigen Praxis, ging eine Behauptung in den zahlreichen Bezirks- und regionalen Runden voraus, die die interessierten Blasformationen zu absolvieren hatten. Damit wurde gesichert, dass nur die besten Formationen in die finale Runde auch gelangten.

BK Šohajka

Dies erfüllt die Blaskapelle Šohajka als den Träger dieser in blasmusikalischen Kreisen anerkannten, hohen Auszeichnung nicht nur mit Stolz, sondern auch mit vielfältigen, langfristigen "Pflichten".

Das Renommee einer Blaskapelle lässt sich in keiner Weise durch einen einmaligen Sieg - eine "Vignette" - all zu lang aufrechterhalten, wie sich in der Praxis auch deutlich erweist. . Vojta Ducháček, dem Allrounder, Manager, Sänger, Spieler, Sprecher, Moderator dieser Formation kommt dieser Gedanke vermutlich nicht einmal  in den Sinn. Die Blaskapelle betrachtet ihre Präsenz bei den unterschiedlichsten großen, kleinen, bedeutenden sowie unbedeutenden feierlichen sowie folkloristischen Anlässen in Podluží als ihre Berufung und Verpflichtung zugleich. Die Blaskapelle wirkt nach außen hin und "versteht" sich als ein aktiver Bestandteil dieser durch Volkskultur geprägten Gegend. Ihre Auftritte sind durch Bescheidenheit sowie subtile, nicht zur Schau getragene Verbundenheit mit den kulturellen Wurzeln geprägt, die von der Bevölkerung auch sehr geschätzt werden. Das kann ich als stiller Beobachter vieler Auftritte behaupten, sei es, dass ich die Blaskapelle bei Blasmusikfestivals in Ratíškovice, Skoronice, Tvrdonice, beim Musikantenball in Hodonín oder bei einem schlichten Hodyfest in Mikulčice erleben durfte.

Die Blaskapelle Šohajka bietet ein stets hervorragendes Gesangstrio, bestehend aus Jožina Ducháčková, Vojta seiner Ehefrau, Dita Bílíková und Vojta himself, sobald er den ersten Anfangstakt  festlegte oder mit seiner Trompete die ersten Takte der Einleitung gemeinsam mit seinen Kollegen gestaltete.

Links im Bild: hervorragendes Šohajka-Gesangstrio Dita Bilíková und Ehepaar Vojta, Jožina Ducháčkovi