Evropský portál české dechovky / Europäisches Portal böhmischer Blasmusik / European portal of Bohemian brass EVROPSKÝ PORTÁL ČESKÉ DECHOVKY
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Krušné hory - Kolébka putovních muzikantů a výroby hudebních nástrojů / Erzgebirge - Wiege der Wandermusikanten und des Instrumentenbaues

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„Um Zufriedenheit zu erreichen, ist ab und zu ein wenig Not vonnöten.“ ―Werner Mitsch

Bei meinen gelegentlichen "Wanderungen" durch das grenzenlose Internet-Universum entdecke ich immer wieder ganz beachtenswerte authentische Aufzeichnungen, die von den Ursprüngen des "böhmischen Musikantentums" berichten.

Man muss eines bedenken. Das ganze Erzgebierge war in den vergangenen Jahrhunderten besonders reich an einer Vielzahl von qalitativ hochwertigen Metall-Erzen (daher auch der Name "Erzgebirge" = "Pohoří rudy"). Die ersten Entdeckungen von wertvollem Erz reichen auf das 11. Jahrhundert. In der Folgezeit wurden Riesenlager von Kupfer, Blei, Zinn, Silber, Uran und einem breiten Spektrum von ganz seltenen Metallen gefunden. Die Nachricht verrbreitete sich wie Lauffeuer im ganzen zentraleuropäischen Raum. Menschen kamen, gründeten Siedlungen und lebten vom Bergbau. Nach etwa 600 Jahren ging goldene Blüte des Begrbaues zu Ende.

Zunehmend trat in den Vordergrund die zentrale Frage: Wovon soll man dann weiter leben? Und da hat sich von Neuem die uralte Metapher bewahrheitet: DIE NOT MACHT DEN MENSCHEN ERFINDERISCH. Die MUSIK wurde entdeckt als NEUE Quelle des Lebenserwerbs, denn - als Alternative - konnte man vom dem dort bestehenden, sehr kargen Landboden sowie einem  eher raueren Klima die Lebensbedürfnisse nicht bestreiten. So entstanden langsam "wandernde Musikanten" sowie unterschiedliche Schmieden des Instrumentenbaues (Blasmusikinstrumente, Gitarren, und Geigen u.a.m.), aber auch berühmte  Stickerei-,  Handschuhe-Produktionen etc.

Daher waren die Bewohner des böhmischen Erzgebirges etwa seit dem 18. Jahrhundert als Wandermusikanten bekannt. In kleineren Gruppen reisten sie meist mit Harfen und Geigen durch ganz Europa, drangen sogar bis  zum russischen Zar vor, nach Asien, Amerika und Australien. Sie brachten viel Geld nach Hause. Viele von ihnen stammten aus dem nordwestböhmischen Preßnitz, dem heutigen Přísečnice.



Was eine solche Reise für einen Jungen bedeutete, das hat zum Beispiel Věnceslav Metelka in seinen Memoiren beschrieben. „Mit zwölf Jahren hörte ich auf, in die Schule zu gehen, mich lockte die Musik. Nach gewisser Zeit lernte ich einen Harfenist kennen, der mich bat, mit ihm irgendwohin nach Deutschland zu reisen. Lange musste ich meinen Vater um Erlaubnis bitten, schließlich willigte er aber ein. Mit der Geige im Kasten und mit ein paar Groschen in der Tasche machten wir uns auf die Reise - der Harfenist vorneweg, ich hinter ihm wie ein Hündchen. Wo ein großes Haus, eine Mühle, ein Gasthaus, eine Werkstatt oder ein Amtsgebäude war, dort hielten wir und begannen zu spielen. Es lief vorzüglich, überall wurden wir mit Essen, Trinken und Geld belohnt. Nach einem Monat waren wir wieder zu Hause. Ich hatte 18 Groschen in der Tasche und schenkte sie stolz dem Vater. Er erlaubte mir dann, wieder mit dem Harfenisten auf Wanderschaft zu gehen, diesmal für noch längere Zeit. Insgesamt war ich so dreimal in der Welt, und jedes Mal stand uns das Glück bei.“

Dieses Thema "kratze" ich hier nur sehr oberflächlich an, freilich der Kürze wegen. Genug der Einleitung. Im folgenden biete ich - als ein Beispiel (es gibt viele  ähnlich gelagerte Beispiele) - einen Zeitungsabdruck aus jener Zeit, der ein Bild damaliger Situation kurz skizziert.

Nordböhmischer Gebirgsbote 11.5.1858 Seite 3 u. 4  Die böhmischen Harfenmädchen und Musikanten

(Bem. Ich habe iden Artikel UNVERÄNDERT belassen, beachte das Veröffentlichungsdatum und dementsprechend auch die Grammatik jener Zeit.)

Wer kennt nicht die böhmischen Harfenmädchen und die böhmischen Musikanten? Man findet sie in Rußland,England, Frankreich, ja man kann mit Bestimmtheit sagen, in allen Welttheilen. Wer aber kennt den häuslichen Herd dieses musikalischen Nomadenvölkchens? Er liegt auf dem höchsten Kamm des unwirthbaren böhmischen Erzgebirges. Die Heimath der Harfenmädchen ist die Bergstadt Preßnitz,von wo sich der Musikerwerb auf die in einem Umkreise von 8 Meilen herum-liegenden Ortschaften, besonders Schmiedeberg, Reischdorf, Dörnsbach, Sorgenthal, Wohlbau, Ahren-dorf, Neudörfl, Sonneberg u. s. w. ausbreitete. Die Heimat der kleinen Orchester ist das westlichere Erzgebirge, Joachimsthal, Seilen, Gottesgab, Kribus, Platten bis Graslitz.

Das Reisen mit der Ä. nahm seinen Anfang in Preßnitz. Der Bürgermeister der Stadt Preßnitz während der Jahre 1776–1792, Ignaz Walter, war der erste, der die Harfe pielte und der noch heute dort unter dem Namen „König David“ bekannt ist. Dieser unterrichtete seinen Pathen Isidor Richter und dieser eine Verwandte, Elisabeth Haug,im Harfenspiel. Eine Schülerin der Letzteren, Anna Görner, war die Erste, welche mit der Harfe reiste und mit einem bedeutenden Vermögen zurückkehrte; sie lebt noch heute im Munde des Volkes unter dem Namen „Sigresannamidl“ fort.

Die Theuerung des Jahres 1805, noch mehr der Brand der Stadt Preßnitz im Jahre 1811 gaben Veranlassung zur Verallgemeinerung des Harfenspieles und jetzt ist es so sehr verbreitet, daß es auf dem ganzen Kamme des Erzgebirges ebensowenig ein Haus ohne Instrument,sals im Riesengebirge eine Hütte ohne Webestuhl gibt. Wer den Unterricht gibt, ist schwer zu bestimmen, das Spiel erbt sich fort von Geschlecht zu Geschlecht; der musikalische Genius tritt an die Wiegen der Kinder und nimmt sie unter seinen Schutz. Von der Taufe bis zum Begräbniß ist hier Alles von klingendem Spiele begleitet. Die Leute sind glücklich in ihrer Kunst, denn so nennen sie, und zum Theil mit Recht, ihr Gewerbe. Ihr Leid, ihr Freude und ihr Gebet ist – Musik und ihr ganzes Wanderleben ist wie das klingende Spiel, das in die Ferne tönt, bis endlich die Saite springt. Im v. J. wurden in Preßnitz allein 300 Pässe ausgegeben und da mit einem Passe 5 bis 6 Personen reisen, so haben aus dieser Gegend allein über 1500 Harfenmädchen die Wanderung angetreten. In der westlichen Gegend des Erzgebirges tritt an die Stelle der Harfe die Geige als leitendes Instrument, und an die Stelle der Solisten kleiner Musikgesellschaften, Terzett-, Quartett- und Quintett-, ja selbst Sextett – Orchester, bei welchen Geige, Bratsche, Flöte und Klarinette vorwalten.

Den Impuls zu diesen Wanderungen aus dem westlichen Theile des Erzgebirges gab der Verfall des Bergbaues, und wir sehen seit dieser Zeit die Theilnahme an den herumziehenden Musikgesellschaften in demselben Grade wachsen, als jene einst so ergiebige Erwerbsquelle abgenommen. Der Lohn des Musikerwerbes ist sehr beträchtlich, und die Summen, welche von den Musikanten, die oft mehrere Jahre ausbleiben, heimgebracht werden, belaufen sich sehr hoch. Nach Preßnitz allein sind durch die Post in einem Jahre 30,000 fl. eingelaufen; gewiß eine beträchtliche Summe bei einer so kleinen Bevölkerung, wobei man noch bedenken muß, daß bei der
den herumziehenden Musikanten eigenthümlichen Geheimnißkrämerei die öffentlichen durch die Post eingeschickten Gelder nur einen Theil ihres Gewinnstes betragen muß. Bemerkenswerth ist es, daß in der Gegend von Preßnitz jährlich bei Weitem mehr Mädchen als Knaben geboren werden, als wollte die Natur, die den Boden so spärlich bedachte, ihre Stifmütterlichkeit durch eine Vermehrung der Erwerbskräfte wieder gut machen.

In Graslitz ist ein eigener jetzt in Blühte stehender Industriezweig, die Instrumenten-Fabrikation, entstanden. Die Noth, diese allgewaltige Lehr-meisterin, weckte den Musiksinn in einer durch den Musikerwerb Gegend, dessen Boden seine Bewohner nicht zu ernähren vermag.

Krušné hory - krajina horníků / Erzgebirge - Die Region der Bergknappen



Die böhmischen Komponisten Antonín Dvořák und Bedřich Smetana hatten eine tiefe Beziehung zur Volksmusiktradition, aus der sie manche Ideen in ihre Werke haben einfließen lassen. Nicht von ungefähr nimmt daher die Harfe in ihren größten Werken "Rusalka"  und  "Má vlast" einen  ganz prominenten Part ein.

Antonín Dvořák: Rusalka, árie "Měsíčku na nebi hlubokém", Gabriela Benáčková soprán, Česká filharmonie, Václav Neumann
Bedřich Smetana: Cyklus Má vlast, Vyšehrad, Česká filharmonie,Rafael Kubelík
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