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Josef Vejvoda: der Fahnenträger des Vejvoda-Klans

Wer kennt nicht den Namen Vejvoda unter den böhmischen Blasmusikfans? Ja, es wird keinen geben. Aber mit dem Namen Vejvoda ist eine ganz interessante Geschichte verbunden, die vermutlich nicht allgemein bekannt sein dürfte.

Josef Vejvoda
Josef Vejvoda

Der derzeit lebende Josef Vejvoda, ein Konservatorium-Absolvent und ein devoter Anhänger des Jazz hält zu seinem Vater [[Jaromír Vejvoda]], einem der sprichwörtlichen "Drei Könige" der böhmischen Blasmusik, zu denen [[Karel Vacek]] und Josef Pocar zählen. Bem. Über die "Drei Könige der böhmischen Blasmusik" gedenke ich demnächst einen gesonderten Beitrag zu schreiben.

Bei Vejvodas besteht in der Familie eine lange musikalische Tradition. Die Vejvoda-Kapelle wurde vom Urgroßvater vor 150 Jahren - auch Josef genannt - gegründet. Diese Kapelle mußte von Jaromír Vejvoda, dem bekannten Komponisten, wegen der politischen Verhätnisse im Jahre 1948 (Kommunistenumsturz) aufgelöst werden. Gewerbescheine - das Betreiben einer Blaskapelle setzte bis zu diesem Zeitpunkt dies voraus - wurden dem neuen System Dorn im Auge und wurden kurzerhand aufgelöst. Viele Jahre hatte es gedauert bis die alte Familietradition- Vejvodova kapela - von Josef Vejvoda aus Zbraslav, dem Sohn von Jaromír Vejvoda anlässlich des nicht mehr erlebten 90. Geburtstages seines Vaters am 27. März 1992 wieder belebt wurde. Josef Vejvoda gründete auch das Salon Orchester, das sich u.a. der "getreuen, unverfälschten" Wiedergabe der Werke seines Vaters sowie deren Freunde widmet, zu dennen vor allem Karel Vacek und Josef Poncar gehörten. Vejvoda, Vacek, Poncar schätzten einander. Sie betrachteten sich nicht als Konkurrenten, sondern als wahre Freunde, die der böhmischen Unterhaltungsmusik dienten, jeder nach eigenem Gefühlsvermögen und eigenen Kräften.

Vejvoa, Vacek, Poncar
Jaromír Vejvoda (v.l.)
Karel Vacek
Josef Poncar

Unter "Song der Woche" biete ich ein typisches Stück aus dieser Zeit an, und zwar die Polka von Josef Poncar "Přes dvě vesnice". Aufgenommen wurde sie mit dem Salon Orchester des Josef Vejvoda. Es wird hier im Geiste und Charakter sowie mit einer Besetzung gespielt, wie es in kultivierten Kreisen Prags in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts und sicher auch danach traditionsgemäß gespielt wurde und weiterhin gespielt wird. Das Besondere an dieser Interpretation ist die penibel auf Treue bedachte Wiedergabe der Stimmung dieser Zeit. Es ist in meinen Augen ein Stück aus der Schatzkammer der böhmischen Unterhaltungsmusik. Manche Stücke der Königs-Trojka sind im westeuropäischen Blasmusikbereich dank des Engagement von Ernst Mosch geläufig. Darin sehe ich seinen enormen Beitrag für die böhmische Blasmusik. Absichtlich habe ich gerade dieses Stück wegen seiner beachtlichen Verbreitung ausgewählt, um einen Vergleich zwischen der Original-Interpretation und dem Arrangement für eine Blasmusikbesetzung von Heute ziehen zu können. Diese Interpretation kommt einem Haufen von Streicheinheiten fürs Herz gleich. Der Text zeichnet sich durch eine enorme Tiefe und Breite aus. Ich mag dieses Stück außerordentlich gern und glaube, so wie es Josef Zíma überzeugend und mit Hingabe singt, schafft es kein Zweiter.