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Komponist Vladimír Pfeffer: rundes Jubiläum

Jan Bílek, der Schúler, Vladimír Pfeffer, das Vorbild

Jan Bílek, der Schüler - Vladimír Pfeffer, das Vorbild

würdige Übergabe des Familiensilbers

Vladimír Pfeffer, einer der bekanntesten Komponisten im südmährischen Raum, langjähriger musikalischer Leiter von Sokolka und Moravěnka, ein Vollblutmusiker mit tiefen Wurzeln in der mährischen Folklore, feierte am Samstag den 1. Dezember 2007 seinen runden 70-sten Geburtstag.

Wegen seiner Bekanntheit bestand keine Notwendigkeit, für das zu seinen Ehren auf die Schnelle organisierte Konzert im Kulturhaus in Velké Bílovice viel Publicity zu machen. Es kamen mehr seiner Anhänger, als das Haus mit einem geschätzten Fassungsvermögen von 800 Plätzen fassen konnte. Er selbst hatte von der Vorbereitung dieser feierlichen Veranstaltung bis kurz vom Beginn gar nicht gewusst, die von seinen Freunden und Anhängern, allen voran Jan Svoboda, in aller Stille getrieben wurden. Den Besuchern wurde aber ein perfekt organisiertes, hochwertiges Blasmusikkonzert geboten, das scheinbar von langer Hand konzipiert war. Am Podium traten drei Blasformationen Sokolka, Túfaranka, Moravěnka in voller Pracht auf, die von Karel Hegner, dem bekannten Moderator, Wortführer, Interviewer und Unterhalter des Abends nicht vorgestellt werden mussten. Ich selbst war der Zeuge eines Ministreitgespräches unter Jugendlichen, wer denn namentlich in den Formationen welches Instrument wirklich spiele.

Jan Svoboda, Kplm. Sokolka

Hauptorganisator Jan Svoboda,

Kplm. von Sokolka,

Sieger des

Goldenen Flügelhorns 2004

Persönlich war ich sehr beeindruckt von schlichten, aber für mich sehr rührenden Worten von Jan Bílek, dem Kapellmeister von Túfaranka, der hier in aller Öffentlichkeit in Anwesenheit von Pfeffer selbst sein Bekenntnis abgab, wie er als Kind und Jugendlicher in Vladimír Pfeffer sein Vorbild sah. Die Kontinuität der Tradition, ein Merkmal der böhmischen Blasmusik, wird bei derartigen Anlässen einem stets vor Augen live geboten. Im Konzert gab es auch eine Überraschung, mit der, wie ich glaube, kaum jemand gerechnet hatte, aber die im Nachhinein völlig natürlich erschien. Karel Hegner kündigte knapp vorm Abgang von Túfaranka Vlado Kumpán an. Zuerst glaubte ich, sicher nicht länger als zwei Sekunden, dass er sich versprochen hatte. Einen Bruchteil der Sekunde später war mir aber alles klar. Freilich konnte Vlado Kumpan an dieser Veranstaltung als Solist unmöglich fehlen. Vlado ist erstens im Ort zu Hause, zweitens gibt es ein Kommunikationsnahverhältnis zu Bílek selbst und drittens ist Vlado sensitiv genug, um zu erkennen, dass er bei einer derartigen, noch dazu lokalen Feier einfach unmöglich fehlen darf.

Vlado Kumpán
Vlado Kumpán

Durch die Anwesenheit von Vlado Kumpán bekam die Veranstaltung einen würdigen Höhepunkt. Die Konzeption von Jan Bílek passte wunderbar in das gesamte Bild hinein. Vlado´s Solobeitrag am Ende des Túfaranka Auftrittes war, wie immer, professionell und ergreifend. Er hat den von Túfaranka stilvoll vorbereiteten, aufgespannten Bogen aufgenommen und die Präsentation von dieser Blasformation farbenprächtig abgeschlossen, ohne sich irgendwelcher Spektakeltriks zu bedienen.

Ich habe es nicht nur tief genossen, mich hat es einfach ergriffen. Karel Hegner kann sich fantastisch beherrschen. Ich hatte aber das Gefühl, dass er diesmal seine Ergriffenheit genauso streng kontrollieren musste, wie viele andere. Emotionen tauchten bei vielen Momenten als unglaublich dicke Wolken auf und hangen permanent in der Luft.

Am Schluss einer Veranstaltung, an der zwei oder mehrere Blaskapellen teilgenomen haben, darf üblicherweise ein sogn. Mosterkonzert kaum fehlen. In diesem Fall ersetze ich das "Monströse" durch den "Gefühlsberg", der diese Veranstaltung auch am Ende kennzeichnete. Alle drei Orchester haben sich in geschlossener Form an der „monströsen“ Präsentation beteiligt. Emotionen überschlugen sich von Neuem, ich habe schließlich auch die Sänger genau beobachtet. Zum Schluss der Veranstaltung wurde der Hauptakteur des Abends, Vladimír Pfeffer selbst, um sein Schusswort gebeten. Vladimír Pfeffer hat, in schichten, aber bewegten Worten, der Audienz mitgeteilt, dass er dieses schöne Konzert als das Ende seine langjährigen musikalischen Laufbahn betrachtet, die einen beachtlichen Teil seinen Lebens füllte. Er war offensichtlich darauf vorbereitet, ich konnte aber meine feuchten Augen nicht ganz so locker unterdrücken. Die dicken Emotionswolken in der Atmosphäre wollten sich irgendwie auch nach dem Konzertende keinesfalls rasch auflösen, wie man den eine Dreiviertelstunde nach der Veranstaltung noch herumsitzenden Teilnehmern ansehen konnte.

S.a. Forogalerie, Jubiläen